Die Entstehung des Areals

Bei dem Fabrikgebäude Lützner Straße 77-79 handelt es sich um eine für den Bezirk Lindenau typische Hinterhoffabrik der Gründerzeit. Mit einer Länge von über 30m und seiner Bauweise zeigt es allerdings eine größere Nähe zu den viel mächtigeren Gründerzeitarealen der Stadt Leipzig als zu den üblichen Hinterhofwerkstätten. Man kann also sagen, dass es sich um eine der kleinsten großen Fabriken in Leipzig handelt.
Das dreigeschossige Gebäude wurde ca. 1910 errichtet. Geprägt wird das Gebäude zum einen durch die schmucke Backsteinfassade aus roten und gelben Klinkern mit einem hohen Ziergiebel in der Gebäudemitte und zahlreichen Putzspiegeln, zum anderen durch die Stahlbaukonstruktion im Inneren, die mit ihren Stützen und Unterzügen die Räume dominiert.
Laut Fotografien aus den 50er Jahren hat das Gebäude den Krieg gut überstanden und wurde bis in die 70er, 80er Jahre auch noch als Produktionsstandort genutzt. Gegen Ende der 80er Jahre erfolgte eine Nutzung nur mehr als Lager, und das Lager verfiel im Laufe der 90er zusehends.
Die Entscheidung, die Sanierung dennoch anzugehen, hatte verschiedene Gründe. Ein sehr wichtiger war, dass die Gebäudestatik gewährleistet war, die Stahlbetonkonstruktion im Inneren hat das erste Jahrhundert nahezu schadlos überdauert. Zudem waren im Inneren, vermutlich dank der Nutzung als Lager, zahlreiche Details erhalten, so zum Beispiel sämtliche Türblätter, Türgarnituren, schmuckvolle Kontorfenster, Treppengeländer usw. Dies ist zwar auch in vielen Gründerzeitwohnhäusern und -villen der Fall, bei gewerblichen Gebäuden aber eher die Ausnahme.
Planzeichnung von 1910
Planzeichnung von 1910

Fotografie von 1967
Fotografie von 1967